Urban Assist - Neue Sicherheitssysteme für den Stadtverkehr

Interdisziplinärer Projektansatz für komplexe Fahrzeugfunktionen

Der komplexe urbane Individualverkehr wirft seine Schatten voraus. Bei der Auswahl neu zu entwickelnder komfort- und sicherheitsbringender Funktionen im Fahrzeug rücken Mega-Cities immer mehr in den Vordergrund. Sicherheit steht dabei immer im Mittelpunkt der Entwicklungen neuer Funktionen im Pkw.

Gemeinsamer Projektansatz mit AUDI

Um die Anforderungen an den künftigen Stadtverkehr zu bedienen, kommt es 2010 in der Bertrandt-Niederlassung Ingolstadt zusammen mit der AUDI AG zu einem interessanten und mutigen Projektansatz. Ziel ist es, mit dem Projekt "Urban Assist" eine unterstützende Funktion im Querverkehr mit integriertem erhöhtem Seitenschutzpotenzial zu erreichen. Bereits seit 2008 lief ein Vorentwicklungsprojekt dazu; im klassischen Entwicklungsprozess mit verschiedenen Entwicklungspartnern für die einzelnen Disziplinen Konstruktion, Berechnung und Versuch dezentral vorangetrieben. Ende 2009 entschied sich das Team, die Kreativität und Effektivität mit einem angepassten Ansatz zu erhöhen. Die Idee ist geboren: Eine konsequente Vernetzung der Linienfunktionen für ein solch hochkomplexes Projekt. Und das nicht nur auf dem Papier - sondern als tägliche Realität in einem Raum!

 

Fachübergreifend Lösungen entwickeln

Dies bedeutet, dass die wichtigsten Bindeglieder konzentriert an diesem Ziel arbeiten und das Projekt gemeinsam umsetzen: die Projektleitung des Kunden, aber auch die Spezialisten aus Konstruktion, Berechnung, Versuch, Elektronik, Sensorik, Fahrzeugkommunikation und HMI (Human Machine Interface)-Entwicklung sowie der Organisation. Die Mitarbeiter kommen dazu in einer eigens eingerichteten Projektfläche auf rund 200 m² mit direkt angeschlossener Werkstatt zusammen. So finden bis zu 25 Projektmitarbeiter moderne Arbeitsplätze vor, mit idealen Bedingungen für kreatives Arbeiten und dem täglichen Blick auf die Ergebnisse in den Fahrzeugen. In einem straff organisierten Ablauf mit regelmäßigen, wöchentlichen Statusrunden stellen wir sicher, dass die Projektleitung die Entwicklungsschritte exakt verfolgen kann. Zudem wird eine reibungslose Kommunikation an die Schnittstellen intern wie extern gewährleistet. Die Ingenieure und Techniker unterstützten den Gedanken der "fachübergreifenden Lösungsfindung" - was bedeutet, dass sich z. B. ein Konstrukteur mit einem Sensoriker austauschen sollte, auch wenn dessen Aufgabengebiet komplett andere Inhalte aufweist. Dieses Grundkonzept der Vernetzung zeigte sich als einer der zahlreichen Erfolgsfaktoren bei unserem Vorhaben.

 

Vernetzung stellt hohen Reifegrad im Projekt sicher

Im Laufe der definierten Projektzeit kam es immer wieder zu funktionsübergreifenden Herausforderungen, wie zum Beispiel der objektiven Bewertbarkeit der Güte der Funktion, die weit über die heute bekannten und verfügbaren Testszenarien in der Fahrzeugsicherheit hinausgehen. Aber gerade solche Fragestellungen wurden innerhalb unseres vernetzten Teams direkt in Lösungen überführt, was unter anderem zu innovativen Testanlagen und Dummy-Technologien für die Erprobung aktiver Sicherheitsfunktionen führte. Ein Beispiel hierfür ist ein mobiler Prüfstand zur geregelten und zerstörungsfreien Beaufschlagung eines Testfahrzeuges mit Hindernissen wie Fahrzeug-Silhouetten oder Fußgängerattrappen. Die Testobjekte bestehen dabei aus leichten Schaumstoffen umgeben von einem flexiblen Karbonmaterial für gute Formtreue und hohe Langzeitstabilität. Der Prüfstand, der die Objekte mit einer hohen Treffergenauigkeit zum Zielfahrzeug einregelt, hat mittlerweile seine Feuertaufe auch bei Kalt- und Warmlanderprobungen unter Beweis gestellt, wird aber dennoch immer weiter optimiert. In diesem Zusammenhang kam natürlich auch die Frage auf, wie sich der Benefit einer neuen Funktion im Pkw messen lässt, die auf der einen Seite Komfort bietet und somit das Kaufargument über den Nutzen liefert. Und wie gleichzeitig aber auch eine ergänzende Sicherheitsfunktion über das heute notwendige Maß hinaus finanziert werden kann, die einen erheblichen Teil der Entwicklungskosten durch die Risikoabsicherung verursacht. Ebenso konnte in dieser Projektorganisation die Abstimmung mit anderen artverwandten Fahrzeugfunktionen, die beispielsweise auf die gleichen Sensoren zugreifen oder die von zusätzlichen Bauteilen betroffen waren, sichergestellt werden. Genannt seien hier unter anderem der Sitz oder die Tür.

 

Hoher Reifegrad der Lösungen

Rückblickend stellen wir fest, dass dieser mutige Schritt einer konsequenten interdisziplinären Verknüpfung von Einzelfachrichtungen aus Projektsicht zu vielfältigen Lösungsansätzen in einem hohen, in die Serienentwicklung überführbaren Reifegrad geleitet hat. Robuste Lösungsansätze werden nun an die Serienentwicklung für eine sichere und komfortable Mobilität in die nächste Fahrzeuggeneration übergeben. Bewertungsmethoden sind projektübergreifend etabliert, und im Versuchsalltag neue objektive Testmethoden für die aktive Sicherheit im Einsatz. Eine rundum gelungene Erfolgsgeschichte für die Audi AG und für Bertrandt. Fortsetzung folgt - für eine sicherere Welt.