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Mercedes-Benz CL-Coupé 2006 |
Glanzpunkt fährt Erfolg auf ganzer Linie ein
Mit der neuen CL-Klasse krönte Mercedes-Benz im Herbst 2006 seine
mehr als 50-jährige Coupé-Tradition. Die großen Mercedes-Coupés sind
seit Jahrzehnten ein Inbegriff für Eleganz und Exklusivität im
Automobilbau. Sie setzen Maßstäbe in Design und Ausstattung, vereinen
vorbildliche Sicherheit mit höchstem Komfort und souveränem
Fahr-Erlebnis. Ein anspruchsvolles Automobil setzt eine anspruchsvolle
Entwicklung voraus. Die langjährige Zusammenarbeit qualifizierte
Bertrandt für die Verantwortung über die komplette Rohbauentwicklung.

Umfassende Kompetenz
Das Projekt CL-Coupé war sowohl was den Umfang als auch den
Anspruch betraf einzigartig für Bertrandt. Ingenieure unterschiedlicher
Fachrichtungen des Bertrandt Engineering Networks entwickelten an der
neuen Superlative von Mercedes-Benz. In Abstimmung mit DaimlerChrysler
übernahm Bertrandt die Verantwortung für die Entwicklung des kompletten
Rohbaus mit dem gesamten dazugehörigen Absicherungsprozess. Darunter
fielen Einzelbereiche wie Projektmanagement, Lieferantenmanagement,
Dokumentation und Berechnung. Insbesondere zwei Bereiche zeigen die
Innovationskraft: die Säulen und das Heck.
Feuerprobe Crashtest
Die Herausforderung für jede Konstruktion sind die Crashtests, denn sie
entscheiden über Erfolg oder Misserfolg der gesamten
Entwicklungsarbeit. Um auch die hohen Standards des US-Marktes zu
erfüllen, galt es für das neue CL-Coupé harte Tests zu durchstehen.
Die auf der folgenden Seite erläuterten fünf Crashtests waren die
Feuerprobe für das CL-Coupé. Das gesamte Know-how wurde eingebracht, um
Hürden wie den Dachfalltest oder Seitenaufprall optimal zu meistern. So
wurde die komplette Fügefolge der Seitenwand umgestellt. Auch das Heck
und die Säulen erhielten eine Generalüberholung der besonderen Art.
Das Heck
Da im Heckdeckel viel Elektronik untergebracht ist und somit eine
elektromagnetische Verträglichkeit gewährleistet sein muss, bot sich
ein Kunststoff für den Rohbau an. Die Ingenieure verwendeten in der
Entwicklung deshalb anstelle des häufig eingesetzten Aluminiums
gepressten, mit Glasfaser verstärkten Kunststoff. Einen großen Vorteil
brachte deiser Kunststoff auch beim Gewicht. Der verwendete
Leicht-SMC-Kunststoff (Sheet-Molding-Compound) weist eine erheblich
geringere Dichte auf als der übliche SMC-Kunststoff. Auf die geplanten
Carbonbänder konnte bei der Konstruktion des Heckdeckels verzichtet
werden, wie der Heckaufprall zeigte.
Die Säulen
Die sich leicht nach unten verjüngende Säulenkonfiguration ist ein
typisches Merkmal der großen Mercedes-Coupés, deren Wurzeln bis in die
fünfziger Jahre zurückreichen.
Die Designvorgabe sah vor, das Gesamtbild des neuen CL-Coupés zu
verjüngen: Der Spanndachbogen wurde wesentlich verbreitert und dadurch
abgeflacht, was den eleganten Charakter des Coupés unterstreicht. Doch
die daraus resultierende Versetzung der C-Säule um 200 mm nach hinten
löste eine kleine Revolution aus: Neue Wege mussten gefunden werden, um
die angestrebte Stabilität zu gewährleisten.
Durch die komplexeren Ansprüche hinsichtlich der Stabilität im
Seitenaufprall ergaben sich auch Veränderungen für die B-Säulen. Die
geplant eingeschuhte Säule wurde auf den Längsträngen aufgesetzt.
Die A-Säule erlebte ebenfalls einen Umbruch. Zu Beginn der Entwicklung
stand ein Aufbau aus USIBOR-Tiefziehteilen. Eine Stahlsorte, die bei
ca. 800 Grad Celsius umgeformt wird und eine Zugfestigkeit von bis zu
1.300 Megapascal aufweist. Doch die ersten Crashs mit dem
Fahrzeug-Prototyp zeigten insbesondere beim Dachfalltest
Optimierungsbedarf, da USIBOR nur in geringem Maße dehnbar ist. Ein
ultrahochfestes Rohrkonzept wurde entwickelt und in die Seitenwand
implementiert sowie das Materialkonzept von A-Säule und seitlichem
Dachrahmen umgestellt. Letzten Endes ergab sich damit ein dreischaliger
Aufbau: Die A-Säule außen und innen plus dem Verstärkungsrohr verleihen
nun die gewünschte Dehnbarkeit und Stabilität.
Sicherheit berechnen
Neben der Umsetzung der Crachtest-Ergebnisse in die
Rohbauentwicklung, waren weitere Schwerpunkte im Bereich Berechnung und
Versuch die Innenraumabsicherung und Kopfaufprallberechnung. Bertrandt
führte ferner Berechnungen und Versuche zum Fußgängerschutz im Haus
durch. Um all die Daten und Ergebnisse ohne Verzögerung ins Projekt zu
leiten, wurden die Bertrandt-Mitarbeiter bei den Berechnern von
DaimlerChrysler integriert und in das Gesamtfahrzeugintegrationsteam
eingebunden.
Weg zur 0-Serie
Ein großer Schritt in Richtung gesteigerter Effizienz war das
Überspringen der Phase "Entwicklungs-Fahrzeug". Es wurde direkt von dem
Strukturfahrzeug auf das Bestätigungs-Fahrzeug, die 0-Serie,
übergegangen. Dies war möglich durch eine hohe, rein digitale
Absicherungsqualität und die Vorgaben des Strukturfahrzeugs.
Hierdurch verkürzte sich die Entwicklungszeit erheblich. Nach der
Projektübernahme im Mai 2003 konnte Bertrandt bereits im Oktober 2004
die Sereinfreigabe vorweisen und hatte alle Werkzeug- und Fräsfreigaben
eingeholt. Zu Pfingsten 2005 konnte die 0-Serie starten.
Eine Frage der Synchronisation
Das Projektmanagement von Bertrandt war für die Gesamtkoordination
des Riesenprojekts verantwortlich. Nur durch das perfekte Zusammenspiel
der komplexen Projektstrukturen und der firmeninternen Abläufe von
DaimlerChrysler und Bertrandt untereinander kann ein qualitatives und
effizientes Automobil entstehen. Um diese Schnittstellen zu
visualisieren und die Gesamtumfänge zu verdeutlichen, ist der Umfang
des CL-Coupé-Projekts abgebildet.

Fazit
Mit rund 80 Fachleuten in Entwicklung, Datenmanagement,
Qualitätsmanagement, Freigabe- sowie Änderungsmanagement konnte das
Projekt innerhalb von drei Jahren abgewickelt werden. Für Bertrandt ein
Meilenstein, der die Ingenieure einmal mehr in ihrer Kompetenz
bestärkte und den Weg für weitere umfangreiche Projekte in der
Zusammenarbeit ebnete. Wir freuen uns, einen Beitrag zum
meistgefragtesten Luxus-Coupé der Welt geleistet haben zu dürfen.
Lysann Kurpiela, Ehningen
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