|
Mercedes-Benz Atego-Komponentenentwicklung |

Stärkere Motorisierungen bei gleichzeitig wachsenden Anforderungen an
die Geräuschemissionen stellen bei Lastkraftwagen neben Gewicht und
Kosten das Spannungsfeld bei der Entwicklung von Geräusch-kapselungen
dar.
Eine durch DaimlerChrysler initiierte, neue Generation von
Geräuschkapseln wurde über den Zulieferer Carcoustics beauftragt. Für
die Entwicklungsumfänge wählte Carcoustics Engineering-Dienstleister
Bertrandt zum Partner. Gemeinsam beschritten sie neue Wege, um eine
Geräuschkapsel für die leichte Atego-Klasse von DaimlerChrysler zu
entwickeln.
|


CAD-Modell der Geräuschkapsel in Werkzeuglage

Simulation der Verformung

Einbaulage der Geräuschkapsel im Fahrzeug
|
Neue Blasformtechnik eingesetzt
Grundlage für die Beurteilung der akustischen Emissionswerte ist die
beschleunigte Vorbeifahrt bei Nutzfahrzeugen. Das Ziel seitens des
Kunden DaimlerChrysler war es, das bestehende Kapselsystem durch ein
akustisch mindestens gleichwertiges zu substituieren, jedoch bei
deutlich geringerem Gewicht. Eine weitere Anforderung bestand darin,
ein schadenfreies Aufsetzen des Fahrzeugs im Bereich der Vorderachse zu
gewährleisten. Zu Beginn wurden rund 400 Datensätze des Umfelds
strukturiert untersucht und aussortiert, um letztendlich die
geometrische Grundlage für die Entwicklung des Bauteils festzulegen.
Bei der weiterführenden Entwicklung sollte eine bei Carcoustics bereits
mehrfach eingesetzte Technik des Blasformens für flache Großteile zum
Einsatz kommen. Die Blasformtechnik bietet die Möglichkeit, eine
akustisch wirksame Resonanzabsorbtion über Kassetten motorseitig und
eine glatte Wandung straßenseitig aus einem Werkstoff – sogar in einem
Werkstück – darstellen zu können. Das eingesetzte Verfahren, ein Novum
in der LKW-Kapselung, überzeugte auch die Verantwortlichen bei
DaimlerChrysler und sollte bei der leichten Atego-Klasse genutzt
werden.
Konzept für neue Kapsel erstellt
Im Anschluss galt es, das
Konzept der Blastechnik für eine Kapsel dieser Größe, speziell der
Bauteilhöhe, zu erarbeiten (1000 mm x 800 mm x 300 mm). Dazu entstanden
Überlegungen, die Seitenwände mittels Filmscharnieren in eine
hinterschnittfreie Werkzeuglage klappen zu können.
Diese Schwächung des Produkts trug den Anforderungen des Kunden
Rechnung, dass ein Aufsetzen des Fahrzeugs im Motorölwannenbereich
keine Beschädigung der Kapsel verursachen würde. Kalkulierbare Folgen
sind ein elastisches Ausbiegen der Seitenwände und ein Durchbiegen der
Grundebene bis zur Anlage an der Ölwanne. Dabei bildet die am
Fahrzeugrahmen befestigte Kapsel ein »Parallelogramm«, welches bei
Querbeschleunigungen dazu neigt, Pendelbewegungen auszuüben. Um diesen
Umstand in Griff zu bekommen, wurde die Kapsel zweigeteilt. Der hintere
Teil der Kapsel dient als Abstützung der Seitenwände: Die zwei
abgeklappten Seitenwände werden über Rastnasen in die Einbaulage
vorfixiert und mittels Blechklipsmuttern am hinteren Kapselteil
befestigt. Ein weiterer Vorteil des Verfahrens ist die Möglichkeit,
Wartungszugänglichkeiten wie z. B. zur Ölablassschraube zu erzielen,
ohne ein Zusatzteil erstellen zu müssen: Ein Filmscharnier an der
Wartungsklappe bildet auch hier die Anbindung an das Kapselteil.
|
Kapsel über FEM-Berechnung abgesichert
Die mehrfach eingebauten »Schwachstellen« gaben Bertrandt Anlass, die
Kapsel von Beginn an über die FEM-Berechnung absichern zu lassen.
Hierbei wurden die mechanischen Eigenschaften und hohen Temperaturen
berücksichtigt. Die Ergebnisse der FEM-Berechnung ergaben trotz der
komplexen Einspannung nur wenige kritische Bereiche, sodass mit
geringen Modifikationen die Daten termingerecht zur
Prototyp-Werkzeugfreigabe gegeben werden konnten.
Werkzeugfallende Teile wurden bei DaimlerChrysler auf Schlechtweg und
Rüttelprüfstand mit zusätzlich eingebrachten Gewichten
(Eis/Schneelast/Sand) auf Herz und Nieren getestet.
Selbst dabei konnte die Kapsel ohne Beanstandungen bestehen. Somit
stand der kürzlich erfolgten Serienfertigung nichts mehr im Weg. |
|