Ford Visos
Multikontursitz


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Ergonomische Gesichtspunkte erfahren in Automobilsitzsystemen eine zunehmend größere Gewichtung. Unter diesem Aspekt sowie zur Anpassung des Sitzes an das gewünschte Fahrgefühl, entwickelte Bertrandt im Auftrag der Ford Werke AG in enger Zusammenarbeit mit dem Ford Forschungszentrum Aachen und der Alfmeier Präzision AG den Multikontursitz für den Ford Visos. Der Projektstart erfolgte im Dezember 2003 mit dem Ziel, die funktionsfähigen Prototypen auf dem Genfer Automobilsalon im März 2004 der breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Als Grundlage dienten ein Designdatensatz und Hardware in Form eines gefrästen Hartschaummodells im Maßstab 1:1 sowie ein Pflichtenheft, das die verschiedenen Verstellmöglichkeiten des Sitzes beschrieb.

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CAD-Modell des Komplettsitzes
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Schaumteilmodell zur Fräsdatenaufbereitung
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Prototypenaufbau: Struktur und Schaum
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Nahtverlauf im Bereich Kopfstütze

Gesamtverantwortung bei Ford in Dunton
Als besonders positiv stellten sich die klare Aufgabenverteilung, detailliert definierte Schnittstellen sowie die gute Zusammenarbeit der am Projekt beteiligten Unternehmen über den gesamten Projektverlauf dar. Das Ford-Entwicklungscenter in Dunton, England, war als Gesamtverantwortlicher des Ford Visos Show Cars, des Ausstellungsstands sowie des Stylings tätig. Aufgrund der guten Zusammenarbeit zwischen dem Designer Paul Campbell sowie den Projektverantwortlichen Alexander Ehrmann und James Kellerman, wurde bei technischen Notwendigkeiten eine direkte Anpassung des Designs veranlasst und umgesetzt.

Funktionsfestlegung im Ford Forschungszentrum Aachen
Das Ford Forschungszentrum Aachen war für die Funktionsfestlegung der Multikontursitze und die Koordination des Zulieferers Alfmeier Präzision AG verantwortlich. Im Rahmen einer Vorstudie entwickelte Dr. Karl Siebertz, Vehicle Interior Technologies, mit Jeroen Lem die technische Basis auf Grundlage eines Seriensitzes. Er war einer der Initiatoren zu diesem innovativen Projekt und im Laufe der Entwicklung stets eine positiv treibende Kraft.

Komfortelemente und Steuerungselektronik von Alfmeier
Die Alfmeier Präzision AG entwickelte als führender Systemspezialist für Komfortsysteme im Sitzbereich die pneumatischen Komfortelemente sowie die dazugehörige Steuerungselektronik. Dabei stellte sich Alfmeier erneut als kompetenter Partner für die kurzfristige Lieferung von Prototypen-Bauteilen und Systemen dar. Bereits bei der Entwicklung des Ergositzes, der auf der IAA 2003 ausgestellt wurde, hatte Alfmeier Bertrandt im Vorfeld unterstützt.

Sitzstruktur, Hutumfänge und Prototypteile von Bertrandt
Die Leistungsumfänge der Bertrandt-Gruppe umfassten in diesem Projekt im ersten Schritt die Entwicklung und Montage der Sitzstruktur. Die Entwicklung sowie die gesamte Projektleitung im Bertrandt Engineering Network verantwortete die Kölner Niederlassung. Hier erfolgte die Auslegung der Struktur hinsichtlich Festigkeit, Funktion, Bauraumoptimierung, Ergonomie, Designanpassung und Bezugsabheftung.

Die Struktur des Sitzes stellten die Bertrandt-Ingenieure aufgrund des engen Terminplans als mehrteiliges, schnell produzierbares Kohlefaserlaminatteil dar. Die Werkzeuge für die Struktur und die Schaumteilerstellung wurden innerhalb des Bertrandt Engineering Network im Prototypenbau in Ehningen hergestellt. Hier erfolgte auch die Fertigung der Blenden und Schaumteilrohlinge. Die Kohlefaserteile entstanden in Zusammenarbeit mit einem Leichtbauspezialisten aus dem Rennsport.

Die Hutumfänge wie Schaumteile, Blenden und Bezüge entwickelte die Niederlassung Köln in enger Absprache mit der Polsterabteilung bei Bertrandt in Wolfsburg. Dies beinhaltete die Oberflächenerstellung des bezogenen Sitzes sowie die Erzeugung von Volumenmodellen der Schaumteile unter Berücksichtigung der Überwölbung, um Bezugsspannungen zu kompensieren. Im Speziellen wurde für den Schaum die Stylingvorgabe hinsichtlich Ergonomie und Komfortanpassung auf alle Percentile von 5% Frau bis 95% Mann angepasst. Für den Schaum und die Bezugsabhängung wurde die Aufnahme von Komfortverstellsystemen berücksichtigt.

Für die Designüberarbeitung der Schäume und Bezugsherstellung sowie den Aufbau der Komplettsitze war der Trimshop in Wolfsburg verantwortlich. Hier wurden im Rahmen der Polstererstellung diverse Designschleifen direkt in den Schaum und Trim eingearbeitet. Dazu wurde der Schaum manuell überarbeitet und die Bezüge angepasst. Durch die Komforteinstellungen musste der Bezug der großen Konturänderung entsprechen können, ohne dem Material irreversible Dehnung zuzufügen, da die Konturänderung eine Faltenbildung verursacht. Die Komfortverstellsysteme wurden dahingehend in den Schaum eingebettet, dass keine ungewollten Druckstellen entstehen und die Verstellung eine bestmögliche Ausdehnung bewirkt. Hierbei erwies sich die Zusammenarbeit zwischen dem Bertrandt-Polstermeister Thomas Kohlberger und seinem Team speziell mit Ford und Alfmeier als sehr gut und führte zum gewünschten Erfolg.

Positive Resonanz auf dem Genfer Automobilsalon 2004
Insgesamt wurden vier Prototypensitze parallel aufgebaut und im Rahmen des Genfer Automobilsalons der Öffentlichkeit und dem Fachpublikum vorgestellt. Bei beiden Gruppen stießen die innovativen Sitze auf ein reges Interesse. Dem Endkonsumenten ist im Sinne einer positiven Beeinflussung seiner Gesundheit zu wünschen, dass der Sitz eines Tages in Serie geht.