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Das Bertrandt-Dreiradfahrzeug |
Diplomanden entwickeln umweltschonende Mobilität
Themen wie Klima- und Umweltschutz sind präsent wie lange nicht mehr.
Auch die Automobilindustrie soll durch emissionsarme Fahrzeuge zur
Senkung des CO -Ausstoßes beitragen. Engineering-Partner Bertrandt
entwickelte auf Basis von Diplomarbeiten ein kostengünstiges
Stadtfahrzeug, das individuelle Mobilität und schonenden
Ressourceneinsatz in sich vereint.
Ausgangsgedanke und Ziel
Bereits 2004 hat sich Bertrandt unter der Federführung von Dipl.-Ing.
(FH) Torsten Einicke aus dem Fachbereich Rohbau überlegt, wie ein
Fahrzeug aussehen könnte, das Eigenschaften wie einen geringen
Kaufpreis, niedrigen Verbrauch und eine ausreichende Mobilität in sich
vereint. Ziel war es, ein komplettes Fahrzeug zu entwickeln und das
gesamte Leistungsspektrum von Bertrandt auszuschöpfen, ähnlich wie
bereits beim Bertrandt Competence Car und dem smart crossblade, bei
dem Bertrandt als Generalentwickler agierte. Gleichzeitig sollte dieses
Projekt junge Mitarbeiter fördern. So wurde die Konzeptentwicklung
einzelner Fahrzeugbereiche wie Rohbau, Antrieb und Fahrwerk auf Basis
von Diplomarbeiten durchgeführt.
Der Ausgangsgedanke war folgender: Laut einer Studie sind 80 Prozent
der täglichen Arbeitspendler allein im Auto unterwegs. Für den
Alltagsgebrauch ist deswegen ein zweisitziges Fahrzeug mit akzeptablem
Gepäckvolumen völlig ausreichend. So fiel die Entscheidung zugunsten
eines Dreiradfahrzeuges. Ein Dreiradfahrzeug ist die klassische
Mischung aus Motorrad und Pkw. Es vereint Komfort und Sicherheit eines
Pkws mit Gewicht, Verkehrsraumbedarf und Preis eines Motorrades.
Das Fahrzeugkonzept
Das Konzept
„Bertrandt-Dreiradfahrzeug“ gründet auf einem kostengünstigen
Stadtfahrzeug, das individuelle Mobilität und Sicherheit zu einem
geringen Preis ermöglichen soll. In Tandem-
Sitzanordnung soll es
zwei Personen ausreichend Platz und Stauraum für Gepäck bieten. Durch
die hintereinander angelegte Sitzordnung wird die Stirnläche der
Karosserie minimiert und infolge der Kraftstoffverbrauch verringert.
Das Fahrzeug verfügt über eine gelenkte Vorderachse und ein Hinterrad,
das von einem im Heck sitzenden Motor angetrieben wird. Neigetechnik
wird nicht integriert. Insgesamt wird eine Leermasse von maximal 800 kg
angestrebt. Darüber hinaus wird das Dreirad einen geschlossenen
Karosserieaufbau besitzen. Eine Tür ist auf der linken Fahrzeugseite
angedacht. Der Kofferraum befindet sich konventionell im Heck und weist
mit maximal 200 Liter das Koffer raumvolumen eines Kleinwagens auf. Der
Unterboden soll in Sandwichbauweise ausgelegt werden, um diverse
Komponenten unterzubringen, wie beispielsweise den Tank.
Um einen attraktiven Kaufpreis realisieren zu können, ist es geplant,
eine hohe Anzahl von Gleichteilen aus vergleichbaren Kleinstwagen in
das Fahrzeug zu implementieren. Zudem soll jede Komponente im Fahrzeug
hinsichtlich der Kosten betrachtet und gegebenenfalls optimiert werden.
Auf dieser Basis wurde im ersten Entwicklungsschritt – der Diplomarbeit
von Michael Stockmann, heute als Ingenieur im Dimensional Management
bei Bertrandt tätig – das Maßkonzept und Package dieses Fahrzeugs
definiert. Vorausgegangen war eine eingehende Benchmarkanalyse und
Untersuchung aller nötigen gesetzlichen Vorschriften
(EG/EWG-Richtlinie), um ein Dreiradfahrzeug in Europa mit einer
Stückzahl von 10.000 pro Jahr zuzulassen. Dabei sollte das
Dreiradfahrzeug, über diese Vorschriften hinaus, die
Sicherheitsanforderungen eines Pkw erfüllen. Die angestrebte
Höchstgeschwindigkeit liegt bei 130 km/h. Nach der ersten Auslegung des
Insassen- und Fahrzeugpackages, bei der ebenfalls der Komfort eines
Mittelklasse-Pkws erreicht werden sollte, wurden erste Designentwürfe
erstellt.
Der Antrieb
Im Januar 2006 wurde das Projekt durch zwei
weitere angehende Diplomingenieure, Christian Schramm und Michael
Johne, fortgeführt. Unter Beachtung aller Vorgaben erstellten sie das
Rohbau- und Antriebskonzept. Thema der Diplomarbeit von Christian
Schramm war das Dreiradfahrzeug. Seinem Konzept lag eine
Benchmarkanalyse zugrunde, die den derzeitigen Stand der
Antriebstechnik aufzeigte und abwog, ob ein Einsatz im Dreiradfahrzeug
unter Berücksichtigung von Kosten, Gewicht, niedrigem
Kraftstoffverbrauch sowie einer ausreichenden Leistung und Erfüllung
der gesetzlichen Abgasvorschriften für Pkw-Fahrzeuge sinnvoll ist.
Die Untersuchung ergab, dass die Kombination eines kompakten
Benzinmotors mit einem Fünfganghandschaltgetriebe die Anforderungen des
Bertrandt-Dreiradfahrzeugs am Besten erfüllt. Die Wahl fiel auf den MPE
750 von Weber Motor mit Sitz in Markdorf am Bodensee. Der Motor ist ein
Zweizylinder-Reihenmotor mit 750 cm³ Hubraum und stellt in der
gewählten Version bei einer Masse von 44 kg mit 44 kW ausreichend
Leistung zur Verfügung. Dieses Aggregat wird derzeit beispielsweise in
Snowmobilen oder Tender (Boote) verbaut sowie für Konzeptfahrzeuge
genutzt.
Der Motor wird mit einer Einscheiben-Trockenkupplung und einem
5-Gang-Schaltgetriebe kombiniert. Das Getriebe wurde modifiziert, da
die Antriebskraft auf das Hinterrad über eine Kette übertragen werden
wird. Zudem musste die Verbindung des Getriebes zum Motor angepasst
werden. Die Motor-Getriebe-Einheit wurde dann in das bestehende
Packagemodell eingefügt. Anschließend konnten die Schnittstellen für
den Rohbau definiert werden.
Die kooperative Zusammenarbeit mit der Weber Motor AG ermöglichte es,
dass Informationen und CAD-Daten zur weiteren Bearbeitung des Projektes
zu Verfügung stehen.
Der Rohbau
Bei der Erstellung des Rohbaukonzeptes wurden
zunächst geeignete Werkstoffe sowie Fertigungsverfahren, Kosten, Masse
und die Anforderungen hinsichtlich geltender Crashnormen untersucht.
Mit diesem Wissen wurde anschließend ein Strukturmodell der
Fahrgastzelle erarbeitet sowie eine detaillierte fertigungstechnische
Betrachtung der Baugruppe Seitenwand durchgeführt. Eine
technisch-wirtschaftliche Bewertung verschiedener Werkstoffe für die
Beplankungsteile folgte. Auf Grund des Ergebnisses wird ein
Stahlverbundwerkstoff favorisiert.
Das erstellte Konzept zeigt Möglichkeiten auf, einen Stahlrohbau kostengünstig in der Kleinserienherstellung zu
realisieren. Dies wird durch die geringe Bauteilanzahl und erprobte
Herstellungs- und Fügeverfahren verwirklicht. Die Bauteilreduzierung
wird durch den Einsatz eines tragenden Verstärkungsrohrs im Dachrahmen
sowie die intensive Nutzung von Strukturklebern und -schäumen
ermöglicht.
Fazit und Ausblick
Die Entwicklung des Bertrandt-Dreiradfahrzeuges wird derzeit in weiteren Studien- und Diplomarbeiten fortgeführt.
Als nächstes wird die Fahrwerkstruktur erstellt und das Rohbaukonzept
detailliert. Nach Beendigung der Konzeptphase soll die
Detailkonstruktion folgen. Es ist geplant, anschließend ein
Messefahrzeug aufzubauen.
Michael Stockmann, Ehningen
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