Airbagversuche

Mehr Sicherheit
Anfang 2003 wurden in München die ersten Airbagversuche im neuen BMW
3er durchgeführt. Das Ziel: Integration des Beifahrerairbagmoduls in
die Instrumententafel. BMW wählte das Airbaglabor der Bertrandt
Niederlassung München zum Partner, das bereits verschiedenste
Fahrzeug-Modelle im Airbagversuch getestet hat.
Prototypteile ermöglichen frühzeitige Versuche
Der erste Kontakt zum BMW 3er Beifahrerairbag-Projekt fand bereits 2002
statt. Damals fragte BMW Erfahrungswerte aus Druckversuchen eines
Vorgängermodells an. BMW integrierte diese Daten im Rahmen der
Funktionsentwicklung in die Berechnung und Simulation. Das Resultat
waren Prototypteile, die in ersten Versuchen im Frühjahr 2003
Ergebnisse für die weitere Entwicklung lieferten. Dies ermöglichte eine
zügige Fortentwicklung der Integration des Airbagmoduls in die
Instrumententafel.
Schneller Projektfortschritt durch Integration aller Partner
Die BMW 3er Instrumententafel ist kein Zulieferteil, sondern wird vom
BMW Werk Landshut, basierend auf der Entwicklung im Forschungszentrum,
selbst produziert. Lediglich die Komponenten – beispielsweise das
Airbagmodul, Blenden und Lüftereinsätze – sind Zulieferteile.
Die Entwicklung und Versuchsabsicherung der einzelnen Bauteile
verlief reibungslos und erste Meilensteine, wie die Anbindung des
Airbagdeckels an den Instrumententafeleinleger, wurden auch schnell
erreicht. In weiteren Schritten bestätigten die Bertrandt-Ingenieure in
ihren Versuchen nacheinander Komponenten wie Cupholder, Blenden und
Frischluftgrill in ihrer Funktion bzw. Positionierung. Die
Zulieferfirmen der einzelnen System-Komponenten waren bei den Versuchen
vor Ort, damit eventuell notwendige Änderungen an den Bauteilen
zeitsparend umgesetzt werden konnten.
Neue Faltungsvariante auf Basis von "OoP"-Versuchen freigeprüft
Mit modernster Highspeed-Videotechnik wurde anschließend das
Augenmerk immer deutlicher auf die Öffnungszeiten und die Entfaltung
des Airbags gelegt. Bis zu 9000 Bilder in der Sekunde lassen auch die
schnellsten, für das menschliche Auge nicht mehr wahrnehmbaren Vorgänge
hervorragend visualisieren und machen eine genaue Analyse möglich. Aus
„Out of Position (OoP)“-Versuchen beim Airbaghersteller wurde zudem der
Schluss gezogen, dass durch eine Änderung der Faltung des
Luftsackgewebes der Beifahrer bei einer ungünstigen Sitzposition
wesentlich besser geschützt werden könnte. Aus diesem Grund schickte
der Airbaghersteller mehrere verschiedene Faltungsvarianten des
Luftsacks in den Test. Damit konnte eine Variante ermittelt werden, die
sowohl der Integrität des Airbags als auch den Anforderungen aus den
OoP-Versuchen gerecht wurde. Abgeschlossen wurde das Projekt nach der
erfolgreichen Durchführung der Freigabe-Versuche für die
BMW-Fachabteilung.
Auch zukünftig gemeinsam unterwegs
Das "Competence Center Fahrzeugsicherheit", zu dem auch das
Airbaglabor gehört, hat mit diesem Projekt weiter an Erfahrung in der
Funktionsentwicklung gewonnen. BMW und Bertrandt arbeiten bereits an
neuen Produkten im Bereich der Fahrzeugsicherheit. Hierbei nimmt die
aktuelle „Out of Position“-Thematik im Airbagtesting eine größere Rolle
ein.

Öffnungsverhalten
eines Airbagdeckels mit unsichtbarer Splitlinie am Beispiel des neuen
3er BMW (Highspeedfilmaufnahme mit 9000 B/s).
Mehr Leistung
Als Engineering-Partner unterstützte Bertrandt die Mahle Filtersysteme
GmbH bei der Entwicklung von Antriebskomponenten für den neuen BMW 3er,
der auf dem Genfer Automobilsalon 2005 Premiere feierte. Das Projekt
beinhaltete die Konzepterstellung von Luftfiltern und Ansaugstrecken,
die Entwicklung der Musterstände bis hin zu den Serienbauteilen.
Konzept
Im Oktober 2001 starteten auf Basis des Vorgängermodells erste
Untersuchungen der Rohluftansaugung des neuen BMW 3er. Bei der
Rohluftansaugung wird die Luft oberhalb der BMW-Niere zweiflutig
angesaugt und anschließend in Richtung Übergabestelle zum Luftfilter
geführt. Untersucht und konstruktiv bearbeitet wurden die benötigte
Anzahl von Bauteilen, die Entformungskonzepte, das Befestigungskonzept
und die Abdichtung der Ansaugung gegen den Motorraum, um ein Ansaugen
von Warmluft zu verhindern. Mehrere Varianten wurden in Zusammenarbeit
mit Mahle ausgearbeitet und bewertet.
Ein weiteres Augenmerk lag auf der Verbindung zwischen
Motorraum und Vorderwand. Zuerst wurde davon ausgegangen, über die
Vorderwand hinweg in den Motorraum zu gelangen. Die nächsten
Evolutionsstufen der Vorderwand ergaben aber eine Schnittstelle. Die
Ansaugung musste somit aus mindestens zwei Teilen bestehen.
Als Entkoppelungselement zwischen der Rohluftansaugung und dem
Luftfilter kommt ein Faltenbalg zum Einsatz. Da es sich sowohl bei der
Ansaugung als auch beim Luftfilter um karosseriefeste Bauteile handelt,
ist ein Ausgleich von Relativbewegungen nicht nötig. Der Faltenbalg
dient der Montage und dem Toleranzausgleich und wird als Blasteil
gefertigt. Das Konzept sah vor, den Faltenbalg über Rastnasen an den
Kunststoffteilen anzubringen. Nach der Musterphase entschied Mahle, den
Faltenbalg an der Luftführung zu verschweißen. Somit fiel eine der
beiden Schnittstellen weg.
Auch das Vorgängermodell wurde bereits von Mahle mit
Rohluftansaugung und Luftfilter ausgerüstet, und so konnte in einigen
Details auf diesem Konzept aufgebaut werden. Dies bedeutete zum
Beispiel, anstelle eines üblicherweise verbauten Platteneinsatzes ein
Rundfilterelement zu verwenden. Der Rundfilter gewährleistet auf
kleinem Bauraum eine maximale Filteroberfläche, was direkt den
Wechselintervallen zugute kommt. Die Aufgabe bestand anfangs darin, den
durch Mahle ausgelegten Einsatz innerhalb des Packages zu
positionieren. Weiterhin musste ein Abdichtungskonzept und ein Konzept
für die sichere Befestigung des Filtereinsatzes erstellt werden.
Der Reinluftfaltenbalg übernimmt die Verbindung zwischen dem
Luftfilter und der Drosselklappe und ist das letzte Bauteil, das zum
Lieferumfang der Luftstrecke gehörte. Neben der Luftbeförderung ist der
Ausgleich der Relativbewegungen zwischen dem Motor (Drosselklappe) und
dem Luftfilter seine Hauptaufgabe. Aufgrund seiner komplizierten Kontur
ist auch der Reinluftfaltenbalg als Blasteil konstruiert.
Die Entwicklung
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Luftansaugung
Federführend durch die Mahle-Berechnungsabteilung wurden verschiedene
Vorschläge für eine strömungsgünstige Geometrie der Luftführung
erarbeitet. Weiterhin wurden die Querschnitte optimiert, um ein
Abreißen der Luftströmung zu verhindern. Ziel der Maßnahmen ist es,
über die gesamte Luftstrecke einen möglichst geringen Druckverlust zu
erzielen, da dieser direkt die Motorleistung beeinflusst.
Nach der stömungstechnischen Überarbeitung wurden die Bauteile
gemeinsam mit den Spezialisten von Mahle im Hinblick auf die Entformung
betrachtet. Die Luftführung hinten musste in ein Ober- und ein
Unterteil geteilt werden, die miteinander durch Vibration verschweißt
werden. |

Gesamtumfang der Luftstrecke: Rohluftansaugung, Luftfilter und Reinluftfaltenbalg.
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Da die Luftführung bei einem Blick in den Motorraum sehr gut sichtbar
ist, war es wichtig, die Schweißgeometrie möglichst "unsichtbar" zu
konstruieren.
Gehäuse und Deckel
Bei der Entwicklung von Gehäuse und Deckel des Luftfilters kam es
zunächst darauf an, möglichst viel Volumen im vorgegebenen Umfeld zu
erzielen. Ein weiterer großer Entwicklungsanteil entfällt auf den
Körperschall. Auch hier wurde eng mit der Berechnung von Mahle
zusammengearbeitet. So wurden schon sehr früh Maßnahmen zur Absenkung
des Körperschalls, wie Verrippungen und Bombierungen der ebenen
Flächen, in die Modelle eingearbeitet. Trotzdem ist diese Thematik
immer als Knackpunkt zu sehen, der die Entwicklung bis zur Serienreife
begleitet. Besonders bei designkritischen Teilen müssen Aussehen und
Funktion in Einklang gebracht werden. Beim Deckel zog dies eine
Verstärkung der Deckfläche nach sich, um ein Durchschimmern der
Verrippung durch Einfallstellen zu verhindern.
Reinluftfaltenbalg
Man könnte meinen, dass der Reinluftfaltenbalg in der Entwicklung
die geringsten Anforderungen stellt. Dies trifft aber nur bedingt zu.
Zunächst gibt es durch ein sich kontinuierlich änderndes Umfeld einen
neuen Kanalverlauf. Dieser wiederum bedingt eine Änderung der Position
der Falten. Um die geforderte Beweglichkeit (20 mm in jede Richtung) zu
gewährleisten, ist eine Minimalanzahl an Falten notwendig. Der
Faltenbalg wird auf der Drosselklappe vormontiert. Er ist also beim
Einfahren des Motors in die Karosserie bereits montiert und demzufolge
„im Weg“. Aus diesem Grund wurde der Faltenbalg zweigeteilt. Ein kurzer
starrer Teil wird auf der Drosselklappe vormontiert, der bewegliche
anschließend am Luftfilter montiert.
Auch hier kamen wieder akustische Maßnahmen zum Tragen. So ist
der Reinluftfaltenbalg ein ideales Teil, um Resonatoren zu adaptieren,
die innerhalb der Luftstrecke störende Frequenzen herausfiltern. Beim
BMW 3er Nachfolger wird ein Resonator eingesetzt, der gemeinsam mit den
Akustikern von Mahle entwickelt wurde.

Fazit
Das Projekt war geprägt von gegenseitigem Vertrauen und Offenheit
der beiden Partner untereinander. Letztlich war dies eine wichtige
Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Mit der Erstellung der
3D-Daten für die Serienwerkzeuge im Frühjahr 2004 ging für Bertrandt
ein sehr interessantes und umfangreiches Projekt zu Ende. Die 3er
Baureihe beschäftigte Mahle und Bertrandt über dieses Thema hinaus:
parallel wurde bereits ein Luftfilter für den USA-Markt entwickelt.
Weitere Motorvarianten folgten.
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