Maßgeschneiderte Sitzlösungen für Fahrer und Beifahrer
Als
sehr erfolgreich und konstruktiv erwies sich das Bertrandt-Netzwerk bei
der Entwicklung des Ergositzes. Drei der 20 Niederlassungen brachten
jeweils ihr spezielles Know-how in das innovative Produkt ein. Am
Standort Köln, des Initiators des Ergositz-Projektes, waren
Projektmanagement, Design, Entwicklung, Surfacing und
Elektrik/Elektronik angesiedelt.
Darüber hinaus zeichneten die Niederlassungen Tappenbeck im
Norden Deutschlands für den Bereich Schaum und Bezug sowie das
Technikum in Ehningen im Südwesten für statische und dynamische
Berechnung und den Prototypenbau verantwortlich. Gemeinsam mit dem
Labor für Produktentwicklung der FH Aachen, Abteilung Jülich, sowie des
französischen Konzerns Arcelor, der sich im Rahmen einer strategischen
Partnerschaft speziell mit innovativen Stahllösungen einbrachte, ging
Bertrandt die Lösung an.
Aktueller Stand: Weitgehend statische Sitze
Wer kennt es nicht: Der Autositz kann nicht auf die Rückenlänge des
Fahrers eingestellt werden. Stand heute, gibt es keine flexiblen
Lehnenkonzepte, die sich speziell an den jeweiligen Insassen anpassen.
Die Lösung ist der »Ergoseat«. Ziel der Entwicklung war es zunächst,
ein Lehnenkonzept zu realisieren, das auf den Rücken des Menschen
variabel und adaptiv eingestellt werden kann. Bei jedem ist die
Rumpflänge unterschiedlich, die Insassen sind größer oder kleiner. Dass
eine entsprechende Verstellung in den derzeitigen Sitzen nicht zu
realisieren ist, hat einen negativen Einfluss auf den Komfort sowie die
passive Sicherheit.
Es ist
jedoch beim kritischen Heckcrash besonders wichtig, dass sich die
Kopf-/Nackenstütze möglichst nahe an Kopf und Nacken befindet, um ein
Schleudertrauma effizient zu verhindern.
Der Ergositz: variabler Wegbegleiter im Automobil
Bei dem auf
der IAA präsentierten Ergositz wurde das Lehnenkonzept auf Basis eines
herkömmlichen Sitzunterbaus zu einem integrierten Sitzsystem erweitert,
um eine Höhen optimierte Sitzposition des Insassen im Fahrzeug zu
erreichen. Das Ergebnis ist ein Sitz, der sich den unterschiedlichen
Verhältnissen des menschlichen Rückens anpasst. Beim Ergoseat bewegen
sich, gekoppelt und relativ zum unteren Lehnenteil (Lordose), die Wanne
50 mm nach unten und das obere Lehnenteil um 100 mm nach oben und vorn.
Durch die kombinierte Bewegung des oberen Lehnenteils wird dem
optimalen Abstand der Kopfstütze zum Kopf und Nacken Rechnung getragen.
Das integrierte Sitzsystem Ergoseat ermöglicht somit eine optimale
Sitzposition unabhängig von der Körpergröße der Insassen. Dabei wurden
Komfort und passive Sicherheit im Vergleich zu einem gängigen Autositz
erheblich verbessert.
Entwicklungsübergreifende Zusammenarbeit
Das auf Basis von Diplomarbeiten in Zusammenarbeit der Niederlassung
Köln und dem Labor für Produktentwicklung der FH Aachen, Abteilung
Jülich, erstellte innovative Konzept sollte praktisch umgesetzt und
seine Machbarkeit belegt werden. Bei einem komplexen Produkt wie dem
Ergoseat waren vielfältige Abstimmungen zwischen den beteiligten
Bereichen wie Design, Entwicklung, Berechnung, Elektrik/Elektronik und
der Fertigung notwendig. In Köln legten die Konstrukteure die
Grundlagen für das Projekt »Ergositz«. Hier entstanden das Design sowie
die Oberflächen bis hin zu den endgültigen Bauteildaten. Durch die enge
Zusammenarbeit der Konstrukteure mit den Designern wurde dabei
frühzeitig sichergestellt, dass Design und Funktion harmonieren. Auch
um die für die Bewegung der Lehnenteile benötigte Elektronik sowie
deren Programmierung und Verkabelung kümmerte sich die Kölner
Niederlassung.
Externe Partner wurden bereits direkt nach der
Konzepterstellung in die Lösung von Detailfragen mit eingebunden. Auf
diese Weise konnten frühzeitig Korrekturschleifen konsequent minimiert
und die Entwicklungszeit verkürzt werden. Auf Basis der aus Köln
gelieferten Daten fertigten die Kollegen im Bertrandt Technikum in
Ehningen Lasersintermodelle für alle benötigten Kunststoffbauteile wie
beispielsweise die Verkleidungsteile und Sensorplatte. Die Blech- und
Mechanikteile für den Sitz wurden anschließend im Fahrzeugaufbau
erstellt und mit dem Schaum und Bezug von Bertrandt Tappenbeck sowie
der von der Alfmeier Präzision AG gefertigten Lordosenstütze zum
Ergositz komplettiert.
Fazit
Interne Synergien konnten trotz der großen Anzahl von
Schnittstellen realisiert werden: Das bei Bertrandt bewährte
b.Xcellent-Projekt, das Prozesse und Vorgehensweisen im Bertrandt
Engineering Network definiert, garantierte eine übergreifende
Kommunikation und ein gutes Ergebnis. Das Ergositz-Konzept wurde von
Beginn an auf Flexibilität ausgelegt. Es kann in unterschiedlichsten
Fahrzeugmodellen eingesetzt werden. So könnten die Insassen von
Kleinstwagen über Sportwagen bis hin zum Van von dieser
maßgeschneiderten Sitzlösung profitieren.
|
|