Bertrandt Composite Car 2
BCC2 – Platz 6 beim Goodwood Festival of Speed

ref_bcc2_01 Die von der Times als »Gartenparty der Götter« bezeichnete Veranstaltung zählt zu den eindruckvollsten der Welt. Beim Goodwood Festival of Speed, das einmal im Jahr im Südwesten Englands in der Nähe von Chichester stattfindet, sieht man die besten Autos, Motorräder und Fahrer aus aller Herren Länder vereint.

Beim zehnten Festival vom 11. bis 13. Juli 2003 war Bertrandt mit einem eigenen Fahrzeug dabei und konnte im Seifenkisten-Rennen punkten.
 
Das Fahrzeug, mit dem Bertrandt UK ins Rennen gehen sollte, wurde vom Design über die Entwicklung bis zur Produktion in nur neun Wochen fertig gestellt. Das Team um Dave Roche, Teamleiter CAE (Computer Added Engineering), leistete zusammen mit den Sponsoren ganze Arbeit. Das Ergebnis war eine Seifenkiste, die sich auch mit den Besten messen konnte.

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Die kurze Entwicklungszeit – andere Teams hatten für diese Aufgabe volle 52 Wochen Zeit – konnte eingehalten werden, da diese Seifenkiste ausschließlich in einer virtuellen Umgebung entwickelt wurde. Besondere Berücksichtigung fanden dabei aerodynamische Themen, da sich das BCC2 ohne Antrieb möglichst schnell fortbewegen sollte. Des Weiteren musste gezielt auf die Bestimmungen des Goodwood Rennveranstalters geachtet werden. Ein gutes Beispiel sind die Seifenkistenmaße: Länge 1950 mm, Breite 1100 mm sowie ein maximales Gewicht von 135 Kilo. Die Augenhöhe des im Cockpit sitzenden Fahrers muss mindestens 770 mm betragen. Auch der maximale Radabstand und die Spurbreite sind genau vorgegeben. Die Abmessungen werden mittels eines ultimativen Tests, »The Absolute Device«, überprüft, bei dem eine bodenlose Holzkiste mit den entsprechenden Proportionen über jede Seifenkiste gestülpt wird. Ist eine zu groß, wird sie nicht zum Rennen zugelassen.

ref_bcc2_03Der virtuelle Entstehungsprozess
Virtuelles Design beginnt mit der Optimierung. Der Berechnungsaufwand ist bei der Verwendung von Verbundmaterialien um ein Vielfaches höher, so auch im Falle des BCC2. Unter Berücksichtigung aller Vorgaben und mit Hilfe eines CAD-Modells des Fahrers Barry Lee entwarfen Dave Roche und sein Team die äußere Form des Fahrzeugs.

Diese Daten konnten anschließend für den Optimierungsprozess verwendet werden, wobei ein Optimierungsalgorithmus benutzt wurde, um die Belastungswege durch das Fahrzeug zu bestimmen. Mit der Software »Patrans Laminat Modellierung« wurde die Verbundschicht festgelegt. Der Sponsor MSC stellte die Lizenzen für die Benutzung der Programme Patran, Nastran und ADAMS – einen neuen Algorithmus, der die Faserrichtung und die Laminatschichtung optimiert. Durch diese Technologie gelang es den Partnern ein Monocoque zu bauen, das 14 kg wiegt, aber eine Torsionssteifigkeit von 40 KNm/Grad erreicht. Das Fahrwerk wurde auf ähnliche Weise erstellt. Mit dem Programm ADAMS konnte die optimale Krümmung, der beste Radnachlauf sowie die Spureinstellung bestimmt werden. Daraufhin wurde ein digitales Model des Hangs simuliert und die ADAMS-Seifenkiste virtuell hinunter gefahren, um die Einstellungen zu testen.


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Fahrzeugaufbau
Für die Herstellung des BCC2 lieferte Hope Technology hochfeste Aluminium-Naben und anpassbare hydraulische Bremsscheiben. SKF Advanced Composites Group stellte die aus Keramik hergestellten Rennradlager zur Verfügung. Diese wurden speziell für das Fahrzeug angefertigt und hatten 40 Prozent weniger Rollwiderstand als die Vergleichbaren aus Stahl. Von der Advanced Composites Group wurden verschiedene Arten von Karbonfasern und anderen Kernmaterialien für das Monocoque bereitgestellt. Aus diesen baute die SPA Composites das zuvor berechnete Monocoque. Hierfür wurden die Karbonfasern in spezielle Formen gelegt und anschließend für über 200 Stunden in einem Autoklaven gehärtet. Ein Vorgang, der viel Know-how erfordert.
 
Die Formen wurden auf einer fünfachsigen Fräsmaschine der Firma H. Eccles Patternmakers Ltd erstellt. Das Material hierfür bestand aus einem speziellen temperaturresistenten Schaum mit hoher Dichte. Den Ledersitz für das Bertrandt Composite Car baute die Firma Protrim. Die Montage aller Komponenten erfolgte bei Bertrandt UK in nur zwei Tagen. Rechtzeitig genug für die Zulassungsprüfung zum Rennen. Am 3. Juni qualifizierte sich Bertrandt UK mit seiner Seifenkiste für das Festival of Speed. Der Fahrer Barry Lee stellte einige sehr eindrucksvolle Zeiten auf, wobei der Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von 108 km/h erreichte. Das Rennen konnte beginnen ...

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