Bertrandt Competence Car
Auf dem Weg zur ganzheitlichen Entwicklungskompetenz

ref_bcc_01 Einen wichtigen Schritt in Richtung durchgängiger Prozesskette bildet der erste fahrfertige Prototyp der Bertrandt-Gruppe: der Bertrandt-Competence-Car (BCC), der in nur 11 Monaten entwickelt und gebaut wurde. Möglich wurde dies durch die kontinuierliche Erweiterung unseres Leistungsspektrums: so verfügen wir etwa mit der mehrheitlichen Beteiligung an der ZR – Zapatka + Ritter GmbH & Co.KG. über umfangreiche Blechkompetenz für die Herstellung von seriennahen Prototypteilen.


ref_bcc_02.jpgDesignentwicklung und Konstruktion
 Im August 1998 entschieden wir, den fahrfertigen Prototyp als Pick-Up in Eigenregie zu bauen. Unter Berücksichtigung von Optik, Kosten und dem geringen Zeitrahmen sollte ein bereits auf dem Markt vorhandenes Fahrzeug abgewandelt und neu aufgebaut werden. Die Wahl fiel auf die Mercedes-Benz M-Klasse, an deren Entwicklung wir bereits maßgeblich beteiligt waren. Nach der gemeinschaftlichen Formfindung mit DaimlerChrysler kamen wir überein, den gesamten hinteren Bereich ab der B-Säule abzuschneiden und oberhalb der Knickkante neu aufzubauen.


Die dafür nötigen neuen Daten wurden daraufhin in nur zweieinhalb Monaten in Sindelfingen programmiert. Gleichzeitig wurden sie mit modernen Simulations- (DMU) und Visualisierungstechniken (Echtzeitrenderings) auf ihre Machbarkeit hin überprüft. Projektbegleitend fanden Absicherungen in der Technischen Berechnung und Windkanal-Simulationen statt.

ref_bcc_03ref_bcc_04ref_bcc_05.jpg

Präzision im Detail: Das Datenkontrollmodell
Der BCC wurde als 1:3-Modell zunächst gefräst und anschließend aus 14 Einzelteilen gebaut. Die außergewöhnliche Darstellung unterschiedlicher Varianten in nur einem Modell erleichterte die endgültigen Designentscheidungen, etwa den Bertrandt-Pick-Up mit durchgezogener statt mit unterbrochener Bordkante zu bauen.

Werkzeug- und Teilefertigung
Bei der Erstellung der benötigten Werkzeuge und Teile wurden alle Einflussgrößen anhand eines festgelegten Plans berücksichtigt. Mehrere Niederlassungen der Bertrandt-Gruppe wirkten dabei mit – beispielsweise wurden kleinere Metallteile in Handarbeit geklopft und parallel dazu die durch Konzeptänderungen nötig gewordenen Innenverkleidungsteile hergestellt. Gleichzeitig erfolgte die konstruktive Absicherung der Daten, wobei Verbesserungen sofort in die physikalische Produktion der Teile einflossen.

 ref_bcc_06
ref_bcc_07

Der BCC nimmt Form an:
Fahrzeugumbau und -aufbau

Im Januar 1999 konnten wir den Schnitt an einem Kastenrohbau der M-Klasse vornehmen. An den konstruktionsseitig definierten Schnittstellen wurde der gesamte Aufbau hinter der B-Säule abgetrennt. Zeitgleich wurde der komplette Leiterrahmen mit Triebstrang aus einem Originalwagen aus- und in den zukünftigen Bertrandt-Pick-Up eingebaut. Diese Trennstellen schafften die Basis für den weiteren Aufbau – zum Beispiel die handgefertigte Rückwand, die Seitenwände und Innenverkleidungsteile. Auch unter der Außenhaut vollzogen sich Veränderungen: um die eingebüßte Steifigkeit wieder herzustellen, wurden Verstärkungen im gesamten hinteren Seitenwand- und Bodenbereich eingeschweißt.

ref_bcc_08Neugestaltung des Interieurs
Auf Basis des M-Klasse-Interieurs wurden alle Verkleidungsteile ab der B-Säule nach hinten komplett neu gestaltet. Neben der harmonischen Weiterführung der Verkleidungen sollte zusätzlicher Stauraum geschaffen werden. In die Verkleidung der Rückwand wurden zwei große Pompadourtaschen integriert, ebenso wie zwei großzügig bemessene Ablagefächer im Bauraum zwischen Haupt- und Ladeboden. Die Negativ-Werkzeuge für die Himmel- und Rückwandverkleidung wurden gefräst, kleinere Bauteile als SLS-Teile erstellt und danach im Sichtbereich manuell überarbeitet.

Elektrik
Die Veränderungen des Rohbaus zogen ab der B-Säule eine Verlegung der Elektrik unter die Ladefläche nach sich. In der Heckpartie wurde der Verlegeweg des Leitungssatzes neu definiert und die daraus resultierenden Kabelsatzänderungen für bestehende und zusätzliche Komponenten durchgeführt.

Der Pick-Up im Versuch
Bereits in der frühen Phase der Berechnung konnten mit den zur Verfügung stehenden Daten Simulationen, Crash- und Festigkeitsberechnungen durchgeführt werden. Exemplarisch für einen empirischen Versuchsablauf steht der »Klappendauerlauf« der Heckklappe, der in einem intermittierenden Prozess zwischen Öffnungs- und Schließvorgängen mit festgelegten Geschwindigkeiten zeigte, dass die Heckklappe mit allen Anbauteilen ein Fahrzeugleben überdauern wird.

ref_bcc_09.jpgFertigstellung
Mitte Mai 1999 waren alle Arbeiten soweit abgeschlossen, dass der Rohbau lackiert werden konnte. Anschließend wurde der Pick-Up innerhalb von vier Wochen auf- und alle Interieurteile eingebaut. Dank der guten Zusammenarbeit und dem hohen Fachwissen aller beteiligten Bertrandt-Niederlassungen konnte die Bertrandt-Gruppe Ende Juli schließlich ihren ersten, in Eigenregie entwickelten, fahrfertigen Prototyp präsentieren: den Bertrandt Competence Car.