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AMG G55 XXL - Mobiles Objektiv in der Wüste |

G-Klasse als Trägerfahrzeug für Hochleistungskamera umgebaut
»AMG erwartet Flexibilität«, beschreiben Markus Grass, Teamleiter
Fahrzeugbau, und Ingo Schulz, Teamleiter Rohbau, die langjährige
Zusammenarbeit zwischen dem Bertrandt Technikum und der Firma
Mercedes-AMG. So vertraute AMG Bertrandt einen ganz speziellen
Kundenwunsch an: Den Umbau einer G-Klasse XXL als Fahrzeug für
Tierdokumentationen in Arabiens Wüsten. Bei diesem Projekt war es eine
besondere Herausforderung, Technik und Funktion zu synchronisieren. |

Animierte Darstellung des Hubdaches
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Die Anforderungen des Projekts
Wer Tierdokumentationen filmt weiß, dass wilde Tiere nur schwer
ausfindig gemacht werden können. Und wenn man es schafft, kommt es auf
jede Sekunde an. Die Vorstellung des Kunden entsprach also einem
geländetauglichen Fahrzeug, in dessen hinterem Fahrbereich ein Stativ
mit großem Objektiv platziert werden kann, um die scheuen
Wüstenbewohner zu fotografieren. Hierzu musste das Fahrzeug einige
Bedingungen erfüllen. Abgesehen davon, dass es einen Geländeeinsatz auf
Schlechtwegpisten in der Wüste überstehen musste, waren die starke
Beanspruchung durch Sand und Sonne und die thermischen
Einsatzbedingungen von 0 bis 50 Grad zu berücksichtigen. Das umgebaute
Fahrzeug sollte aber auch als »Tarnung« für das Objektiv dienen und von
außen wie eine Original-G-Klasse aussehen, um nicht mit anderen
Sonderfahrzeugen, beispielsweise militärischen Versionen, verwechselt
zu werden. |
Dichtungs- und Schließkonzept
Die Entwicklungsleistung der Ingenieure konzentrierte sich auf ein über
eine Hubsäule herausfahrbares Dach auf einem Drehteller, unter dem sich
die Kamera und der Fotograf befinden. Zu bedenken war, dass die
Verriegelungselemente auch bei Staub, Sand und Hitze funktionieren
mussten. Dabei spielte die Materialauswahl eine wichtige Rolle. Zuerst
wurde auf Glasfaser nach der »Sandwichbauweise« zurückgegriffen. Dies
konnte aufgrund der thermischen Belastung nicht realisiert werden. Es
blieb also beim Originaldach aus Stahl. Wie bei einem Schiebedach wurde
nun ein Rahmen mit einem Wasserablauf entwickelt. Das Dichtungskonzept
wurde dahingehend angepasst, dass das Dach nach dem Einfahren manuell
verriegelt wird und kein Wasser mehr eintreten kann. Darüber hinaus
experimentierten die Ingenieure mit verschiedenen Bauteilen, um
herauszufinden, wie viel Druck für das Verschließen erforderlich ist.
Den Öffnungsmechanismus erklärt Ingo Schulz wie folgt: »Zwei Hebel
können an jeder Seite heruntergeklappt und gedreht werden. Mit dem
Drehen fährt das Dach circa zwei Zentimeter aus seiner Verankerung
heraus. Den Rest erledigt die Hubsäule.« Um das Dach wieder
herunterzufahren, musste die Einrastungsposition des Drehtellers
festgelegt werden, da das Dach ausschließlich in der Führungsposition
heruntergefahren werden darf. Aus diesem Grund setzten die Bertrandtler
Kugelzapfen ein, damit der Drehteller an der korrekten Position
arretiert.
Die Auslegung der Hydrauliksäule
Eine Herausforderung war die Auslegung der Hydrauliksäule. Diese
sollte nur bis zu einem definierten Punkt ausfahren, damit man mit dem
seitlich auf dem Stativ befestigten Objektiv in bestimmten Winkeln nach
oben und nach unten fotografieren kann. Dabei drehen sich das Dach und
die Hubsäule auf einem Drehteller. Das Dach bleibt waagerecht und dient
gleichzeitig als Sonnenschutz für das Objektiv.

1 Drehteller, das Herzück des Unikats 2 Die Unterkonstruktion des Drehtellers im Fahrzeug
3 Montierter Aufbau: Entwicklungs- und Umbaukompetenz nehmen Gestalt an
Die spielfreie Verdreheinrichtung für Objektiv und Stativ
Der Drehteller ist das Herzstück und befindet sich im hinteren Bereich
des Fahrzeugs. Er sollte sich mit wenig manuellem Aufwand um 360 Grad
drehen lassen. Um diese Bewegung umsetzen zu können, wurde ein
spezielles Getriebe eingebaut.
Der Drehteller sollte leichtgängig und aufgrund der Gleitwirkung
spielfrei sein, darüber hinaus wartungsfrei und temperaturbeständig.
Mit einem Durchmesser von 1130 Millimetern ist er auf eine
Gewichtsbelastung von rund 400 Kilo ausgelegt. Die Ingenieure setzten
den Drehteller auf einen LKW-Drehkranz, der anstatt auf Kugeln auf
Gummirollen gelagert ist. »Eine Herausforderung war es, die
Gewichtsverlagerung auf dem Drehteller im Innenraum vom Fahrzeug
optimal auszubalancieren und die maximale Drehwirkung zu bekommen«,
erklärt Markus Grass. Die ungleiche Gewichtsverteilung resultierte aus
dem Gewicht von Dach und Hubsäule. Das Gewicht musste also auf dem
kompletten Kreis gleichmäßig verteilt werden. »Da haben wir auf die
Auslegungen eines LKW zurückgegriffen«, sagt Ingo Schulz. Das Ergebnis
passte perfekt!
Sichere Verankerung auf dem Wüstenboden
Ein sehr wichtiges Kriterium war die sichere Verankerung des Fahrzeugs
auf dem Wüstenboden, da das Objektiv mit einem Durchmesser von 30-35
Zentimetern auf 18 Kilometer jede kleinste Bewegung sichtbar macht.
Durch eine Niveauregulierung und vier ausfahrbare Hubstützen bekam das
Fahrzeug einen sicheren Stand.
Interieur und Verkleidungen
Die sichtbare Innenverkleidung aus Tränenblechen fertigte Bertrandt
komplett von Hand. Die edle Optik unterstützen kleine Hebel,
Entriegelungen und polierte Drehteile aus Edelstahl. Alle Bauteile bis
auf den Fotografensitz, das Stativ und das Objektiv, wurden bei
Bertrandt angefertigt: Hierzu gehören der Aufbau aus Itemprofilen, der
Drehkranz, der Drehteller, alle Blechteile, Edelstahl-Verkleidungen,
kleinere Kunststoffteile und Drehteile. »Das Projekt war ein
Volltreffer und der Kunde sehr zufrieden mit den Ideen«, freut sich
Markus Grass. »Anlass genug, unsere Umbaukompetenz weiter zu stärken.« |
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